BGE die Zweite

Auch die „Philosophie-Zeitschrift“ „Hohe Luft“ befasst sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema Grundeinkommen, in einem Artikel mit dem imposanten Titel „BEFREIT DIE ARBEIT!“

Was fällt einem dazu ein, als erstes, leider: O si tacuisses, Philosophus mansisses.

Wer weder philosophisch noch wissenschaftssprachlich geschult ist und derart sinnengeschärft und vorbelastet in die Textrezeption geht, der mag diese Unterscheidung für eine lässliche Feinheit halten, sonst aber stellt sich die Fage: was soll das BGE denn befreien, die Arbeit oder den arbeitenden Menschen? Ist das vielleicht egal? Liebe Philosophie-Zeitschrift, es ist so: Die Arbeit ist ein Begriff, ein Abstraktum, dem diese Qualität einer mentalen Verfasstheit, die mit Freiheit gemeint sein kann, nicht zugesprochen werden kann. Arbeit kann man weder befreien, noch versklaven, und, ganz nebenbei, man kann Arbeit auch nicht grün anstreichen. Aber den Menschen kann man befreien. Oder versklaven. So viel also mal zur Einleitung.

Das BGE soll also nun – offenbar – die Menschen von Arbeit befreien. Ist das gemeint? „Schon die antiken Philosophen hielten die Muße für den Königsweg zum gelingenden Leben“, erläutert der einleitende Text dieses Artikels von Thomas Vasek. Ja, das ist gemeint. Das BGE soll also wohl den Weg zur Muße eröffnen.

Welchen Königsweg nahmen denn die antiken Philosophen zur Muße – sie hielten sich Sklaven, wie man weiß. Der antike Philosoph Aristoteles hielt die Sklaverei für ein Naturgesetz, und einige Menschen, die glücklicherweise nicht allzu weit weg von den mußewilligen Philosophen lebten, erklärte Aristoteles für „Sklaven von Natur aus“. Die musste man dann nur noch einfangen, und in diese Naturgesetze einweisen, nebst einer Reihe von Verhaltensregeln in Ackerbau, Handwerk und Viehzucht. Schon produzierten die Sklaven ein Grundeinkommen, in Naturalien. Die Philosophen hatten die niedere Arbeit vom Hals, und dafür Muße. Ein Königsweg zur Muße also, und zum gelingenden Leben.

Statt der Sklaven soll der BGE-Empfänger sich nun der Arbeitsleistung seiner Zeitgenossen bedienen. Das ist dann auch so eine Art Königsweg zu Muße. Jedenfalls derer, die dann das BGE erhalten, und sich auf dieser Grundlage der Muße widmen. Die anderen, die all diese Einkommen ja erwirtschaften müssen – müssten halt nach einem anderen Königsweg zur Muße Ausschau halten. Ist das so richtig verstanden?

Dies – diese „Idee“ – soll nichts Geringeres sein als: eine neue „Vision“, eine „zukunftsweisende Idee, die den Menschen wieder Hoffnung gibt“. „Eine einfache Idee, die nahe am Menschen ist“. Ja, das ist, sie, nahe am Menschen, und einfach. Sancta Simplicitas.

Diese „Vision“ soll sogar die Antwort sein auf einen „global entfesselten Kapitalismus“. Was denn das Entfesselte ist an dem globalen Kapitalismus – darum muss man sich auf diese Weise nicht im Geringsten den Kopf zerbrechen. Das kann dann auch alles so bleiben wie es ist, oder, ganz im Gegenteil: das muss es sogar. Denn: Umsätze und Gewinne müssen ja gemacht werden, denn einige müssen die Gewinne und Einkommen ja erzielen, um den vielen anderen ihr BGE zu finanzieren. Das ist schon eine grandiose „Vision“.

Wer sich dennoch ein wenig Gedanken gemacht haben sollte um die Entfesselung des globalen Kapitalismus, könnte dahinter gekommen sein, dass sich unter anderem die Entfaltung des technischen Fortschritts dahinter verbirgt, und dass dieser technische Fortschritt einer der verursachenden Faktoren dafür ist, dass für manche Menschen die Jobs wegfallen. Weil „die Digitalisierung“ massenhaft Jobs überflüssig machen werde, gelte „vielen das Grundeinkommen als die einzige adäquate Antwort auf das Roboterzeitalter“, meint auch Vasek. Mit diesem technischen Fortschritt ist es aber so, dass er offenbar auf absehbare Zeit nicht aufzuhalten sein wird; die Anzahl der ihm zum Opfer fallenden Jobs wird also immer weiter ansteigen. Das bedeutet also auch: Immer weniger arbeitende Menschen müssten immer mehr nicht arbeitende Menschen versorgen, und ihnen ihr Grundeinkommen erwirtschaften und auszahlen. Wie weit reicht denn nun das visionäre Vorstellungsvermögen der Verfechter dieser „Zukunftsidee“, bis zu welchem proportionalen Verhältnis von Zahlern zu Empfängern: 100 zu 1? 100 zu 10? 100 zu 50? 50 zu 100? 10 zu 100? Wie weit muss man diese „Idee“ ausmalen, bis offensichtlich wird, wie schwachbrüstig diese „Vision“ ist?

Der Grund, aus dem „die Liste der Unterstützer“ immer weiter reicht, „von Grünen und Neoliberalen bis zu Tech-Visionären des Silikon Valley“ könnte der sein, dass diese Unterstützer es einfach nicht schaffen, so weit zu denken. Das soll es ja geben, dass auch solche erfolgreichen Menschen nicht so kluge Menschen sind. Man könnte ihnen dann also mildernde Umstände zubilligen, sie sind einfach ein bisschen dumm. Der Grund könnte aber auch der sein, dass es ihnen im Grunde lieber ist, dass auf diese Weise über die Prozesse im Kern des kapitalistischen Geschehens, den technischen Fortschritt und die sonstigen Entwicklungsgrenzen des reifen Spätkapitalismus, nicht nachgedacht werden muss, und in diesem Bereich dann alles bleiben kann wie es ist: extreme Ungleichheit der Einkommen und der Vermögen, und immer weiter gehende Konzentration der wertschöpfenden Unternehmen. Dann wären ihnen keine mildernden Umstände zuzubilligen, denn dann handelte es sich hier um recht bewusste Irreführung und Täuschung. Dass die Menschen sich nur zu gerne mit Hilfe einfacher Lösungen täuschen und verführen lassen, ist ja in der Geschichte nicht vollkommen neu. Und die Mittel zur Verführung könnten wirklich kaum wirksamer sein: die Zukunftsvision regelmäßiger Zahlungseingänge auf das eigene Konto vom Staat hat wirklich eine geradezu majestätische Größe.

Die Frage, was Arbeit ist und wie sich die identitäts- und sinnstiftenden Lebensinhalte in Zukunft ändern, wenn zur Herstellung der lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen in Zukunft tatsächlich Heere von maschinellen Helfern zur Verfügung stehen, steht wohl auf einem ganz anderen Blatt. Ebenso die Frage, wie Menschen der Zugriff auf diese lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen in Zukunft ermöglicht werden kann. Umverteilung und Transferleistungen sind aber immer eine eher schlechte Idee, und wenn sie notwendig sind, eine Notlösung, weil bessere nicht zur Verfügung stehen. Ein ökonomisches Modell, in dem Transferleistungen zu einem konstitutiven Bestandteil erhoben werden müssten, ist ein absolut schlechtes ökonomisches Modell.

Was erkannt werden muss, ist dies: es sind nicht die Roboter, die die Zukunft bestimmen, es ist nicht das Roboterzeitalter, das auf uns wartet; Roboter und Computer bilden nicht den signifikanten Unterschied zur Gegenwart bzw. Vergangenheit. Es ist die hochflexible dezentrale on-demand-Produktion der großen Masse der benötigten Konsumgüter, hochrational und automatisiert, die dem Kapitalismus auf der einen Seite gewissermaßen den Rest gibt, und auf der anderen Seite den Schlüssel in die Hand, neue Organisationen der wirtschaftlichen Mittelbeschaffung aufzubauen und zu installieren. Das ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunftsvision, leider etwas anspruchsvoller zu verstehen als die Schönheit regelmäßiger Geldzahlungen von andern auf das eigene Konto.

Warum das BGE kein Einkommen ist, und außerdem eine schlechte Idee

Das BGE wird vorgestellt und diskutiert als Komponente eines Modells von Ökonomie, das in der Lage ist, den Herausforderungen der Gegenwart (produktivitätssteigernde Technologien, zu schwache Produktnachfrage und resultierend zu schwache Beschäftigungsnachfrage) begegnen zu können.

Welche Anforderungen sind nun an Modelle von Ökonomien zu stellen? Eine Ökonomie soll festlegen, was in welchen Mengen hergestellt wird, sagt z. B. Paul Samuelson. Dabei sollen keine Ressourcen verschwendet werden, weder bei der Güterherstellung, noch bei der Güterverteilung. Das ist das Wichtigste, was zu leisten ist. Ein Mensch, der arbeiten kann und arbeiten will, ist aus der Sicht zunächst einmal eine verschwendete Ressource, und eine Ökonomie, in der es nicht allen arbeitswilligen Menschen möglich ist zu arbeiten, funktioniert nicht gut.

Jetzt kann man sagen: die technologischen Produktionsmöglichkeiten sind so groß und effektiv geworden, dass auch bei einer bestmöglich organisierten Ökonomie nicht alle arbeitswilligen Menschen voll beschäftigt werden können, also in dem Umfang, in dem sie bereit sind, Arbeit anzubieten. Die Nachfrage bleibt einfach hinter dem Angebot zurück, die Ökonomie funktioniert gewissermaßen zu gut, sie produziert zu viel. Was dann?

Wenn man nicht steuernd eingreift, passiert das, was wir alle seit vielen Jahren beobachten: einige haben sehr viel Arbeit und verdienen sehr gut, und zwar so gut, dass sie ihr Einkommen gar nicht mehr voll konsumieren wollen oder können. Andere haben gar keine Arbeit. Diesen wird nach dem Sozialstaatsgedanken geholfen, von denen, die Arbeit und Einkommen haben. Das soll aber eine Maßnahme sein mit dem Ziel, diesen Zustand möglichst kurz zu halten.

Wenn nun die Verhältnisse so geworden sind, dass auch bei bester Organisation der Ökonomie nicht alle voll beschäftigt werden können, warum soll dann trotzdem alle voll arbeiten? Man könnte die allgemeine Arbeitszeit ja verkürzen, und das geringer werdende Arbeitsvolumen auf mehr Beschäftigte verteilen. Das ist Jahrzehnte lang so gemacht worden, wie man weiß, und mit gutem Erfolg. Warum ist man davon abgewichen, und hat z B bei VW statt der 28,5 Stundenwoche wieder die 40-Stundenwoche eingeführt? Ich vermute, das war ein Fehler, und das ist nicht dem Arbeitnehmerinteresse folgend geschehen. Es wäre besser gewesen, man wäre dabei geblieben.

Allerdings hätte es dann Probleme gegeben mit dem internationalen Wettbewerb. Mit andren Worten: dies wäre nur möglich gewesen, wenn ganz Europa oder noch besser die ganze industrialisierte Welt sich daran gehalten hätte. Das tut sie aber nicht – weil wir weder eine europäische politisch ordnende Kraft besitzen, noch gar eine weltweit ordnende und kultivierende politische Gestaltungsmacht. Was wir da haben, ist Wildwuchs und Anarchie – leider. Ob sich das noch einmal ändert?

Warum sollte aber dennoch in der Regel jeder arbeiten, der etwas verbrauchen will? Weil es gegen die Menschenwürde verstößt, Almosenempfänger zu sein. Der eingeübte Sprachgebrauch kann sehr gut Einkommen von anderen Bezügen und Zahlungen unterscheiden. Es ist zum Beispiel nicht üblich, eine Apanage eines Prinzen Einkommen zu nennen. Einkommen nennt man Zahlungen, die jemandem entweder als Entgelt für erbrachte Arbeitsleistung zufließen, oder als Vermögensertrag. Das Vermögen kann zwar geschenkt oder ererbt oder im Lotto gewonnen sein, aber das geht durch als Einkommen. Ein Einkommen ist aber in keinem Fall eine von der Gunst und dem Wohlwollen eines Gebers oder Spenders abhängige Transferleistung, das „weiß“ der allgemeine Sprachgebrauch. Dieses BGE wäre aber eine Transferleistung, zwar eine möglicherweise gesetzmäßige, aber eine Spende von anderen, basierend auf der Grundlage von Arbeitserträgen, die andere erbracht haben. Und das ist unwürdig, und deshalb ein – offenbar bewusster – Etikettenschwindel, eine solche Transferleistung Einkommen zu nennen.

Kein Mensch kann leben ohne Zugriff auf eine Reihe von Konsumgütern und Dienstleistungen, und eine gut organisierte Ökonomie ist in der Lage, diese Konsumgüter und Dienstleistungen effizient zum Konsum bereit zu stellen. Diese Güter und Dienstleistungen werden arbeitsteilig hergestellt, und in der Regel sollte jeder Mensch in der Lage sein, die Güter und Dienstleistungen, die er verbrauchen will, auch selber herzustellen – dem Wert nach. Er liefert in der Regel den gleichen Input, wie er Output konsumiert oder konsumieren will. Wenn er weniger konsumiert, kann er sparen, und wenn er mehr konsumiert, macht er Schulden. That’s it, und das wird sich nie ändern, oder sollte sich nie ändern.

Sich keine Sorgen machen zu müssen um Geld, ist nun eine tolle Sache, wie vermutlich der eine oder andere schon mal gehört haben KÖNNTE. Ader dieses Glück kann man sich nicht dadurch verschaffen, dass man sich den Zugriff auf das Geld verschafft, das andere erwirtschaftet haben. Das funktioniert nie, weder für Banker noch für BGE Empfänger. Und was den Sozialstaat angeht: es ist schön, einen zu haben, und es hängt nur von Willen und dem Engagement der Vielen ab, den auch so auszugestalten, dass man ihn auch Sozialstaat nennen kann. D. h.: einfach weg mit diesen entwürdigenden Kontrollen und Bevormundungen, allerdings ohne die Leistungen des Sozialstaates umzuettikettieren in ein „Einkommen“.

Leistungen, Sachen, Güter, Dinge besitzen und benutzen zu können, ohne dass man dafür (viel oder schwer) gearbeitet hat ist nur dadurch möglich, dass diese Dinge ganz oder fast ganz von Maschinen hergestellt werden, denn dann kosten sie auch (fast) nichts. Diesem Zustand kommen wir als post-industrielle Gesellschaft offenbar immer näher. Aber dann müssen wir auch dafür sorgen, dass diese Maschinen passend in eine ökonomische und gesellschaftliche Ordnung eingebunden sind. Das dürfte langfristig die wirkliche Herausforderung sein, und eine bessere Idee als ein „Einkommen“ für die einen, das die anderen in einer immer krisenträchtigeren spätkapitalistischen Ökonomie zu erwirtschaften haben.

Unternehmerstaat

Der Staat muss zum Unternehmer werden.

Und das Wirtschaftsministerium zum Automationsministerium.

Der Gewinn des Unternehmerstaats wird nicht in Euro messbar sein. Der Staat muss einen Gewinn produzieren, den die privatwirtschaftlichen Unternehmen nicht mehr produzieren können.

Über lange Zeit war es so, dass der Staat nur den richtigen regulatorischen Rahmen setzen musste, die Rahmenbedingungen; durchaus auch umverteilen und hier Anreize setzen und da gegensteuern und vielleicht auch verbieten. Aber den Gewinn, den Wohlstand sollten die Unternehmen und die in ihnen beschäftigten Menschen alleine schaffen, und der sollte bitte bei beiden in Mark und Pfennig – in den schönen Ludwig-Erhard-Zeiten – bzw. in Euro und Cent auf dem Habenkonto zu finden sein.

Die Euros finden sich nun zwar in nie gekannten Mengen auf den Konten – aber nur der Konzerne, die übrig geblieben sind, und in noch größeren Mengen auf den Konten derer, denen die Konzerne oder Anteile an ihnen gehören. Und während es in den besseren Zeiten des Kapitalismus so war, dass die Gewinne der einen – der Unternehmen bzw. Unternehmer – auch die Konten der anderen, der in den Unternehmen Beschäftigten, füllten, so sieht es heute so aus, als fließe das Geld nur noch in eine Richtung, nämlich in Richtung der schon am besten gefüllten Taschen. Die immensen angehäuften Vermögen in der Welt scheinen eine Wirkung zu entfalten wie die Masseanziehungskraft von Schwarzen Löchern: was in ihre Nähe kommt, saugen sie in einen taumelnden Strudel, es dreht sich immer schneller, und dann verschwindet es haltlos in diesem schwarzen Zentrum, wo es keine andere Spur mehr hinterlässt, als die Anziehungskraft des Masseriesen noch weiter zu vergrößern.

Keine Rückkehr in Erhards Wirtschaftswunderjahre

Nach der Finanzkrise wurde in unzähligen Artikeln der Verfall des Kapitalismus zum gierigen Ungeheuer beschrieben, die Zügellosigkeit des Neoliberalismus, und die Rückkehr zur verlorenen sozialdemokratischen Balance beschworen, oder noch weiter in die Vergangenheit, zu Erhards Wirtschaftswunderjahren, mit ihren tatendurstigen investitionsfreudigen Schumpeterschen Unternehmern, und fleißigen gewerkschaftlich aktiven Arbeitnehmern.

Aber der Funke scheint so recht nicht zu zünden. Warum sollte das jetzt wieder funktionieren, auf einmal, als hätte man (wer denn?) diese Tugenden bloß einfach vergessen. Es wird nicht funktionieren. Dazu hat sich da oben einfach schon viel zu viel Masse angesammelt, bei denen, die nach den Gründergenerationen zu den Herrschern aufgestiegen sind, als Erben und angestellte Konzernlenker, und denen nichts mehr wichtiger ist als das viele Geld zu vermehren, das ihnen – in vielen Fällen jedenfalls – leistungsfrei zugeflossen ist.

Aber die Beschwörung von Gerechtigkeit und echtem Unternehmertum ist hier ein ebenso hoffnungsloses Unterfangen, als würde man in ausreichender Entfernung zu schwarzen Löchern Stoppschilder aufstellen: Halt! Vorsicht schwarzes Loch! Weitergehn verboten!

Besser der Staat investiert, als Blackrock

Aber was kann man tun?

Eben dies – der Staat muss selbst zum Unternehmer werden. Aber eben nicht, wie gesagt, um selber das Geld auf Staatskonten aufzuhäufen, und selbst dann nicht, wenn er die Absicht hätte, das Geld hin und wieder auch zu verteilen an seine Bürger. Zwar könnte – und sollte – der Staat sich auch als Aktionär betätigen. Es ist tausendmal besser der Staat tut das, als Blackrock. Das sollte er sogar dringend tun – aber vor allen Dingen deswegen, um den Einfluss von Blackrock und Konsorten zu verhindern. Er könnte auch etwa in die Landwirtschaft investieren, und landwirtschaftliche Flächen aufkaufen, bevor „Capital Investors“ das tun. Es könnte auch staatliche oder kommunale landwirtschaftliche Betriebe geben, wenn diese schon so gut wie komplett automatisch betrieben werden können. Warum denn nicht? Private Investoren sehen darin nur eine Gelegenheit, leistungsfreie Renditen einzustreichen. Und wenn man ihnen das zum Vorwurf macht, können sie sagen: warum machst Du das denn nicht selber? Also bitte: das kann der Staat auch. Der Bürger hat davon: 1. Anteil an möglichen Gewinnen, 2. Anteil an billigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, 3. Spekulanten vom Hals, die versuchen werden landwirtschaftliche Erzeugnisse künstlich zu verteuern, sobald der Markt das hergibt. Und so sollte der Staat überall da zugreifen, wo Leistungen und Produkte inzwischen annähernd voll automatisiert ins Angebot gebracht werden können. Nur der Staat hätte die Möglichkeit und die Stabilität und den Atem, auf das Kassieren leistungsfreier Renditen zu verzichten.

Smarte Produktionsmittel für den gewählten Souverän

Aber das wäre immer noch nicht der Grund, warum der Staat zum Unternehmer werden sollte. Der Staat muss in Produktionsmittel investieren, er muss Fabrikant werden. Aber er muss nicht sich neue innovative Produkte ausdenken, und damit der Wirtschaft Konkurrenz machen. Er muss nur die Produktion übernehmen, die Produktionsmittel, um Dinge herzustellen, die andere sich ausgedacht haben, vielleicht auch die Konsumenten selber.

Die Werte, die sich in diesen ungeheuren Mengen auf den Konten der Top-10-Prozent angesammelt haben, stammen ursprünglich aus der Produktion, von Dingen, von Gütern und Leistungen, von Waren. An dieser Wertschöpfung muss der Staat, muss sich die Öffentlichkeit beteiligen, sie muss an der Quelle der Wertschöpfung dabei sein, sonst nimmt dieser Zustrom der Werte ins Schwarze Loch niemals ein Ende. Wenn die Öffentlichkeit, der Staat, mit hocheffizienten Produktionsmitteln an der Wertschöpfung beteiligt ist, verringert sich die Masse des Wertes der Dinge, und damit die Anziehungskraft des schwarzen Lochs. Das heißt: sie werden billiger. Wenn sie billiger werden, hat nur der Kunde, der Konsument was davon. Und nicht der Produzent. Wenn das der Staat ist, will – und muss – er das auch nicht, jedenfalls dann, wenn alles mit rechten Dingen zugeht. Ein privater Produzent MUSS aber immer versuchen, seinen Gewinn zu maximieren, und ein Produkt mit Gewinn zu verkaufen, auch wenn ihn die Produktion nichts mehr kostet.

Der Staat kann Produktionssysteme aufbauen und entwickeln, die private Produzenten benutzen, um ihre Produkte herstellen zu lassen. Die müssen dann selber nicht mehr die Fertigungsanlagen vorhalten, haben entsprechend geringere Fixkosten, und geringeres Risiko. Der Renditedruck nimmt ab, und sie müssen nur noch die Entwicklungskosten für ihr Produkt erwirtschaften. Sie brauchen statt großer Fabriken mit teuren Anlagen und einer ausgebildeten Mannschaft nur noch das Designbüro. Und wenn alles gut funktioniert und sie am Ende gar einen Markt monopolisiert haben, wie Apple mit seinen IPhones, lassen sich immer noch horrende Gewinne erzielen.

Das Beispiel Apple zeigt auch, dass die Herstellung heute zum Erfolg eines Produktes gar nicht mehr Entscheidendes beiträgt. Es ist das Produkt selber, der getriebene Forschungsaufwand, wie auch das Beispiel Nike zeigt. Aber das sind Beispiele von absoluten Spitzenreitern an Markt, von Produkten, deren Attraktivität von ihrem eigentlichen Nutzwert weit überstiegen wird, den man sich fast nur noch durch eine Art von Süchtigkeit erklären kann, die man durch Marketing und Produktgestaltung bei den Konsumenten hat hervorrufen können.

Mit gewöhnlichen Allerweltsprodukten sollte das anders sein, und der Preis für die Attraktivität von größerer Bedeutung. Den Preis kann man durch die Herstellungskosten erheblich beeinflussen.

Entkopplung von Produkt und Produktionsmittel

Heute ist es mit den Herstellungskosten und –bedingungen nun anders, als vielleicht vor 50 Jahren. Damals waren Produkt und Produktionsmittel unlösbar verbunden, ein Produkt wurde von einer Firma und einer Markeninhaberin vertrieben, und auf deren Produktionsanlagen ließ sich nichts anderes herstellen als eben dieses Produkt. War dieses Produkt ein Flop und ließ es sich am Markt nicht losschlagen, waren alle Investitionen und Produktentwicklung und Produktionsanlagen verloren. Heute entstehen aber universale, sehr vielseitig verwendbare Produktionssysteme, die möglichst in der Losgröße 1 produzieren können, und die man schnell auf andere Fertigungsreihen umstellen kann, wenn sich etwas Attraktiveres bietet, oder ein Produkt ausgelaufen ist oder floppt. Es gibt heute Anlagen nach dem Prinzip Plug-and-Produce, Smart Factories, die hochflexibel und dennoch hocheffizient arbeiten, und die miteinander vernetzt werden können. Und genau das ist es, was staatliche oder kommunale, jedenfalls überprivate Investitionen sinnvoll und möglich macht. Sind diese einmal vorhanden, kann der Staat als „Generalunternehmer“ seine je lokalen Kapazitäten untereinander anpassen und austauschen, er kann Erfahrungen und Systeme austauschen und vernetzen, und ein perfektes hochleistungsfähiges Produktionssystem aufbauen. Es kann den direkten unmittelbaren Wissenstransfer mit Universitäten und Forschungseinrichtungen herstellen und davon profitieren. Er muss nicht zwangsweise wachsen, sondern nur seine bestehenden Kapazitäten optimal auslasten, um Verschwendung zu vermeiden. Er könnte eine hinreichend ungefährdete Position am Markt aufbauen, so dass er sich Verzicht auf mögliche Gewinne durch Weitergabe von Produktivitätsgewinnen an den „Kunden“ souverän leisten kann, und könnte so ganz peu à peu das (fast) kostenlose Produkt Wirklichkeit werden lassen – was privatwirtschaftlich operierenden Unternehmen niemals möglich sein würde, jedenfalls nicht dauerhaft.

Dem Schwarzen Loch den Appetit verderben

Es wäre keine von heute auf morgen zu lösende Aufgabe. Es müssten die geeigneten Produkte gefunden werden, mit denen man einen Einstieg starten könnte, die geeigneten Produktionsanlagen und –verfahren, die geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen; ferner etwa weitere produktionstechnische Bedingungen und Lösungen, wie etwa Metadesigns für Produkte, die auf bestimmte Produktionsverfahren zugeschnitten sind. Vielleicht wäre mit Möbeln so etwas schon möglich, ein „Post-Ikea-Design“ in diesem Sinne ist ja bereits entwickelt worden. Autos: die Firma Local Motors will ja demnächst in Berlin eine „Mini-Fabrik“ für ihre 3D-gedruckten Autos einrichten, vielleicht ist so etwas eine Gelegenheit für den Unternehmerstaat, da mitzumischen. Für den Anfang. Bis vielleicht einmal der ganze VW-Konzern seine Autos (wieder) von staatlichen Fabriken bauen lässt, die aber nun als lokale Mini-Fabriken über das ganze Land verteilt sind. Und Bekleidung: muss Bekleidung denn unbedingt von minderjährigen Näherinnen in runtergekommenen baufälligen Fabriken in Bangladesch oder Äthiopien hergestellt werden? zum Hungerlohn? Können das die Länder, in denen die TrägerInnen dieser Kleidung leben, nicht selber? gäbe es für Textilien nicht auch die geeigneten Smart Factories? So dass die Menschen in Bangladesch und Äthiopien sich darum kümmern können, endlich ihre eigene Wirtschaft mit ihren eigenen Mitteln aufzubauen?

Man muss dabei bedenken: es geht weder um das coole Auto, das coole Produkt, den coolen Job oder Kreativität und Spaß und Selbstverwirklichung. Ganz tolle Sache wenn man das haben und erleben kann. Aber es geht um mehr, um Größeres, um größere Zusammenhänge. Es geht um den Einstieg in den Ausstieg aus dem Kapitalismus, darum, dem Schwarzen Loch den Hahn abzudrehen. Das wird uns nämlich sonst alle als dritte Vorspeise wegschlürfen, wie die lukullischen Banausen eine Auster.

Neue Welt(un)ordnung

Die meisten der heutigen DAX 30 Unternehmen sind vor rund 100 Jahren gegründet worden, und man kann sagen dass sie heute – noch immer – so stark sind, dass sie das Wirtschaftsgeschehen in Deutschland beherrschen. Welches gegenwärtig gegründete Unternehmen, welches „Start-Up“ wird in 100 Jahren ein solcher Big-Player sein? warum? Wenn man sich anschaut, womit diese DAX 30 Unternehmen ihr Geld verdienen, sieht man, dass die einen im Großen und Ganzen all das herstellen, was die Menschen heute benötigen und kaufen und verbrauchen wollen, und die anderen verwalten das damit verdiente Geld, und dann gibt es noch die Versicherungen. Neu dazu gekommen ist die Softwareschmiede SAP. Also – welches in der heutigen Zeit neu erschienene Unternehmen wird in 100 Jahren so groß sein wie SAP, Beiersdorf, oder gar Siemens oder VW? und warum, wenn die bestehenden Unternehmen im wesentlichen alle Bedürfnisse abdecken, die es gibt und gab, während der vergangenen 200 Jahre?

Eigentlich sollte sich jeder, der heute kleine Kinder am Morgen zum Kindergarten bringt, oder zur Schule, oder schon mit Tips zur Berufsplanung versorgt, darüber klar sein, dass es diese Welt der großen Unternehmen, wo man einen festen Job ergattern kann und dann über drei Jahrzehnte hinweg eine steile Karriere hinlegt, mit üppiger Altersicherung und vielen schönen Urlauben im Jahr, nicht mehr geben wird. Die Welt der stolzen Exportweltmeister bricht zusammen, und wird nun mit Flüchtlingen überschwemmt aus all den Ländern, die zum Erhalt des wirtschaftlichen Wohlergehens einiger weniger überfallen, ihrer materiellen und kulturellen Werte und ihrer Existenzgrundlagen beraubt worden sind, und die nun um ihr nacktes Überleben kämpfen.

Jeder Mensch, der heute noch einige Jahre oder Jahrzehnte weiter leben will, oder der sich um die Zukunft von Kindern oder Enkelkindern Sorgen und Gedanken machen muss und dafür die Verantwortung trägt, muss erkennen, dass diese Art der Zukunftsvorsorge nicht mehr lange Sicherheit gewähren wird: eine gute Ausbildung, ein sicherer Job, eine gute Altervorsorge durch Ansparen von Renten oder sonstigen Vermögensbeständen. Es wird bald keine Branche geben, in der man so sicher in die Zukunft schauen kann wie die Banken oder die Softwareentwickler oder die Autobauer vor 20 oder vor 50 Jahren.

Was aber dann? Es gibt zwei Bereiche von Fragestellungen, auf die Anworten zu finden ist. Der eine Bereich betrifft die mittlere Zukunftsperspektive von vielleicht 20 Jahren, und der andere Bereich geht darüber hinaus. In der mittleren Frist geht es darum, die Welt wieder in eine Ordnung zu bringen, die es vor gar nicht langer Zeit ja noch gab, und wofür die Pläne und „Action Points“ noch in den Schubladen liegen. Da ist nichts Neues zu erfinden, es geht nur darum, die Sprache des Volkes wieder zu finden, dass es den Mund aufmacht und seinen Willen ausspricht. Das Volk, der eigentliche Souverän, ist willenlos, orientierungslos und kurzsichtig geworden.

Der andere Bereich betrifft die fernere Zukunftsperspektive, all die Fragen, die über die uns heute bekannte Welt mit Unternehmen, Handel, Banken und Warenströmen, mit Jobs und Einkommen hinausgeht. All dies wird sich nachhaltig ändern, und es wird kein Zurück in neue Wirtschaftswunderjahre geben. Es kommt eine ganz neue Welt auf die Menschheit zu, und diese Welt gilt es zu entziffern, zu beschreiben, zu entwerfen, zu planen und zu gestalten.

Wir müssen und dürfen erkennen: unsere Zukunft kann wunderschön sein. Jeder Mensch, der mit Freude und Begeisterung etwas arbeiten will, der etwas schaffen und seine Begeisterung anderen mitteilen will, wird dies tun können, und wird dabei nicht Mangel leiden müssen. Der Reichtum dieser Welt ist gemacht aus Ideen und Fleiss, aus Arbeit, Material und Energie, und viele zweckmässige Maschinen helfen dabei, den Menschen manchen mühseligen Arbeitsgang abzunehmen. Alles was das Herz begehrt, können die Menschen in gemeinsamer Arbeit und mit Unterstützung vieler Helfer der Hand und des Kopfes miteinander bauen und fabrizieren, und ihre Welt damit bereichern. Dem sind fast keine Grenzen gesetzt, solange die Würde des Heimatplaneten Erde und der schutzbedürftigen Kreatur gewahrt bleibt.

Was aber sicher nicht möglich sein wird, in Zukunft: nichts tun, nichts schaffen, und das Geld für sich arbeiten lassen. Die Welt kann offensichtlich nicht von Zinsen leben. Alle Menschen, die sich und die Welt mit den Früchten ihrer eigenen Arbeit beglücken und bereichern wollen, werden das tun können, und können im Laufe ihres Lebens reicher werden, als sie es waren zu Beginn. Wer aber nur sein Vermögen wachsen sehen will, wird einem schrecklichen Schicksal entgegen sehen: er wird sich vielleicht mit ein paar Milliarden begnügen müssen, oder gar nur Millionen, jedenfalls mit dem Reichtum, den er gerade hat. Niemand will ihm den nehmen, aber das Geld wird nicht mehr einfach von selbst sich vermehren, in alle Ewigkeit. Das ist – bitter! Aber – zum Glück, nur für einige wenige, wie man weiss, das das eine Prozent. Die anderen 99% können sehr glücklich sein.

Wir werden verhindern müssen, dass die Welt gewissermassen an dem geschaffenen Reichtum erstickt, der sich nun bei einigen Wenigen konzentriert, und die ihre dadurch gegebene Macht missbrauchen. Dass Eigentum verpflichtet, hat man vergessen. Wir werden zu Gerechtigkeit und Verantwortung zurückfinden müssen.

Aber das ist eben nicht alles. Wir werden eine Antwort darauf finden müssen, dass die Welt mit Dingen aus der Fliessbandproduktion überfüllt ist. Der Traum vom ewigen Wachstum ist ein falscher Traum, er ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich, und führt in die Sackgasse; im schlimmsten Fall in die nachhaltige Zerstörung der Lebensgrundlagen dieser Erde. Es entstehen nun neue Möglichkeiten, Dinge ressourcensparend herzustellen, und diese neuen Möglichkeiten werden die fernere Zukunft bestimmen. Sie werden bedeuten, dass die Schicksale der Menschen nicht mehr in der Hand derjenigen liegen, denen diese Fliessbänder und Konzerne gehören, und die damit ihren Reichtum vergrössern wollen. Neue technische Möglichkeiten werden es erlauben, die Verantwortung in die Hände der Allgemeinheit zu legen, und sie werden im Interesse der Menschen, der Allgemeinheit handeln und entscheiden. So wird es möglich werden, die große Produktivität von Menschen und Maschinen im Interesse der Menschen nutzbar zu machen.

Die in den vergangenen Jahrzehnten so stark gewachsene maschinelle Unterstützung der menschlichen Arbeit hat zu einem Überschuss an Produktivität geführt, im Verhältnis zur Konsumbereitschaft der Menschen. Im marktwirtschaftlichen Modell mit privatwirtschaftlicher Produktion im Wettbewerb um Marktanteile und Gewinn führt dies unweigerlich zu einer Störung des ökonomischen Gleichgewichts, Vollbeschäftigung ist nicht mehr möglich, dies führt zu einer weiteren Schwächung der Nachfrage, und so kommt es zu einer Kontraktion der Ökonomie und Verarmung, obwohl die Möglichkeiten vorhanden sind, alle nach ihren Wünschen zu versorgen (Deutschland hat es geschafft, diese letzten Endes durch Überschuss an Produktivität entstandene Verarmung zu exportieren, nach Spanien, Italien und Griechenland). Neue technische Möglichkeiten führen aber dazu, dass dieser Überschuss an Produktivität der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden kann.

Aber es entsteht ein grosse Frage: Wer schafft in Zukunft soziale Gerechtigkeit, der erkämpft die Verwirklichung der Menschenrechte, und wer treibt diese technischen Möglichkeiten mit dieser Zielsetzung voran? Vor 200 oder 100 Jahren war es die Arbeiterklasse, viele Menschen auf der ganzen Welt, die für die Verbesserung ihrer eigenen wirtschaftlichen und sozialen Lage kämpften. Diese Arbeiterklasse, diese Einigkeit der Interessen einer starken Gruppierung der Gesellschaft gibt es heute nicht mehr, und diese neuen Möglichkeiten werden dazu beitragen, dass diese Arbeiterklasse immer weiter an Zahl und Bedeutung abnimmt. Heute werden Menschen aus allen Schichten für die Rechte anderer Menschen eintreten müssen, für eine menschenwürdige Ordnung und für die Entwicklung neuer ökonomischer Realitäten, ohne unmittelbar selber dadurch Vorteile zu erreichen, in manchen Fällen vielleicht sogar Nachteile. Wer heute Verantwortung und Solidarität hinter sich lässt, kann leicht für sich und vielleicht noch die Erziehung der Kinder an teuren Privatschulen einen grossen Vorteil erzielen, das macht diese Einstellung so verführerisch. Es erfordert heute grossen Weitblick zu erkennen, dass diese Möglichkeiten einmal für niemanden mehr existieren werden, und dass wir die Basis eines menschenwürdigen Zusammenlebens als aktive Glieder einer Hochkultur zerstören, wenn wir so weitermachen und keine Regeln finden, die die Menschenrechte und die Würde des Menschen wieder an ihren Platz setzen.

Grundlage zum Erwerb großer Vermögen ist noch immer der Besitz der Produktionsmittel, auch wenn sich das Wachstum verlangsamt hat oder es stagniert, und wenn Viele mit spekulativen, nicht real wertschöpfenden Investitionen ihr Glück versuchen. Je weiter die Schere zwischen Produktionsmöglichkeiten und absetzbarer Produktion auseinanderklafft, um so weiter schwindet auch die Beschäftigung, und damit schrumpft der Absatz weiter. Wenn man diesen Prozess gedanklich in die Zukunft extrapoliert, sind aus den Produktionsmitteln am Ende automatische Maschinen geworden, deren Produkte niemand kaufen kann, weil alle ohne Beschäftigung sind.

Nun ist der Gedanke naheliegend, dass die Produktionsmittel dann besser in die Hände der Öffentlichkeit übergehen sollten, denn dann hätten diese Produkte keinen Unternehmergewinn mehr zu erwirtschaften, und wären – fast – umsonst zu haben. Aber dieser Gedanke zu einfach. Solange die Economies of Scale die Produktionskosten und damit auch den Preis der Produkte bestimmen, bedeutet dies zweierlei: Wachstumszwang, und Kapitalkonzentration. Solange die Technologie nicht geschaffen ist, die Economies of Scale außer Kraft zu setzen, ist eine „Vergesellschaftung“ sinnlos. Wenn aber eine Technologie heranwächst, die kleine und hochflexible Produktionssysteme möglich macht, sodass die Produktion in der Losgrösse 1 wirtschaftlich möglich wird, gerät dieses Gesetz ins Wanken, und das Kapital kann sich dezentralisieren und vernetzen, und damit gesellschaftlich und öffentlich werden, und so lassen sich Wachstumszwang und Kapitalkonzentration überwinden. Die Produktionsmittel müssen sich also enorm verändern, bevor sie sich eignen, in die Hände der Öffentlichkeit überzugehen, und tatsächlich sind sie seit einigen Jahrzehnten auf dem Weg dieser Veränderung. Ohne diesen Schritt, dass dieses Produktionskapital in seiner neuen Form in die Hände der Öffentlichkeit übergeht, wird das Problem der schwindenden Beschäftigung bzw. Überproduktion und all seiner Folgeprobleme niemals gelöst werden können.

Es steht viel auf dem Spiel, die Möglichkeiten zum Guten sind so gross und atemberaubend wie sie noch niemals waren, aber genau so die Möglichkeiten zum Schlechten, die Errungenschaften des Menschen als Kulturwesen sind in Gefahr, und im schlimmsten Fall sogar die Grundlagen des physischen Überlebens.

Transformation der Industriegesellschaft – FABRICA St. Pauli

Es war für die Veranstalter und alle Beteiligten eine erfolgreiche und mit viel Freude verbundene Aktion, die den vielen Teilnehmern das aussergewöhnliche Erfolgserlebnis verschafft hat, mit eigenen Händen ein rundherum funktionsfähiges Handy zu bauen! Darüber hinaus ging es darum sichtbar zu machen, dass die Fabriken ihr Aussehen und ihre Funktion verändern werden: Konsumieren und Produzieren kommen näher zusammen, und die „Produktionsmittel“ werden so klein und so billig, dass sie sich fast jeder selber leisten kann.

Das hat enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft: Produzieren und Konsumieren erhalten eine andere Bedeutung, wenn es nicht mehr um das Flanieren im Shopping-Paradies und im Konsumtempel geht, und darum, mit allerlei Schnickschnack den Kaufreiz zu locken und den sparsamen Verstand zu übertölpeln: wer im Stande ist sein Produkt selber zusammenzubauen, baut es sich eben genau so, wie er es gerne hätte.

Und wenn es fertig ist, hört er auf zu bauen und freut sich!

DIGINOVA – Roadmap To Digital Fabrication

Das auf EU-Ebene angelegte DIGINOVA-Projekt hat (schon im April) seine Ergebnisse und seine Roadmap to Digital Fabrication vorgelegt, in Gestalt und im Umfang eines eBook, das zum Download zur Verfügung steht. Es gibt einen sehr guten und in der Form bisher noch nicht verfügbaren Überblick über das Potenzial der Digitalen Fabrikation, den Umfang seines zu erwartenden Impacts, und auch über die noch zu überwindenden Hindernisse auf dem weiteren Entwicklungsfortschritt. Vor allem sind zunächst wohl vor allem die Universitäten und Forschungsinstitute gefragt…

DIGINOVA

Shapeways and the 3D Printing Revolution

„Shapeways and the 3D Printing Revolution“ lautet der Titel des sehr interessanten Beitrags von Marco Wirth und Prof. Frédéric Thiesse vom CEDIFA Würzburg auf der European Conference on Information Systems (ECIS), der innerhalb der Session “Teaching Cases – New Technology, Enduring Problems” vorgestellt wurde. Innerhalb der Fallstudie wird ein Überblick über die Historie und Technologie des 3D-Drucks gegeben sowie aktuelle wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen rund um die Thematik vor dem Hintergrund des 3D-Druck-Dienstleisters Shapeways diskutiert:

SHAPEWAYS AND THE 3D PRINTING REVOLUTION

Kapitalismus, vorübergehend

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Es scheint inzwischen unbestreitbar, dass die Ereignisse in der Ukraine nach der Verschiebung des EU-Assoziierungsabkommens, die zu den zunächst friedlichen Protesten auf dem Kiewer Maidan geführt hatten, von Seiten EU und USA massiv gefördert und beeinflusst worden sind. Die Motive der USA liegen in einem Bereich zwischen Destabilisierung Russlands im Sinne der amerikanischen Vorherrschaftsstrategie nach Zbigniew Brzezinski, mittelfristigen wirtschaftlichen Interessen amerikanischer Energiemultis, und sogar unmittelbar persönlichen wirtschaftlichen Interessen der politischen US-Spitzenpersonals, wie das unrühmliche Beispiel Hunter Biden gezeigt hat. Wo die EU hier eigentlich reale Interessen verfolgt, bleibt da eher im Ungewissen, denn die EU wäre eigentlich mit einer im Sinne der geostrategischen Blöcke neutralen Ukraine als Mittler zwischen Ost und West, und nach wie vor guten und stabilen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland besser gefahren.

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